Mittwoch, 16. April 2014

Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele

Suzanne Collins

5 von 5 Punkten

Boom! Endlich seit langem mal wieder ein Buch, dass bei mir eingeschlagen hat wie eine Bombe!
Und dass auch noch noch bei einem dieser so genannten Bestseller-Pageturner-Hastenichjesehn-Bücher!
Aber: Da steh ich drüber ;) 

Das Reich Panem besteht aus 12 Distrikten. Also sowas wie Bundesländer. 
Regiert wird Panem vom so genannten Kapitol. Also sowas wie die Bundesregierung. Nur diktatorischer. Also sagen wir mal, sowas wie die Regierung von Nordkorea. Nur ohne Humpty Dumpty auf dem Thron.
Einst waren es 13 Distrikte, doch bei einem Rebellenaufstand, bei dem sich die Distrikte gegen die Regierung wandten, wurde das 13. Distrikt zerstört und seitdem herrscht Frieden in Panem.
Ein zweifelhafter Frieden, bei dem das Volk unterdrückt wird und der größte Teil der Bevölkerung Hunger leiden muss und ums Überleben kämpft.

Um eine weitere Rebellion zu verhindern und das Volk an die Macht des Kapitol zu erinnern, werden jedes Jahr die so genannten Hungerspiele veranstaltet: Jedes Distrikt muss dabei zwei Teilnehmer stellen - zwei Tribute - ein Junge und ein Mädchen unter 18 Jahren.
Diese 24 Tribute müssen dann im Rahmen der Spiele - einem riesengroßen medialen Jubel-Trubel-Heiterkeit-Ereignis - in einer künstlich angelegten Arena gegeneinander kämpfen. Bis auf den Tod. 
Es kann nur einen Sieger geben, 23 Tribute müssen sterben.
Könnte nebenbei bemerkt auch bei uns im Fernsehen laufen - und keiner würde sich groß wundern.

Eine super Idee, die zudem auch noch super umgesetzt worden ist. 
Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen und musste auch gleich danach den Film anschauen (der zwar kurz nach dem Buch etwas abgespeckt wirkt, aber dennoch auch wirklich gut gemacht ist).

Die Panem-Reihe ist eine Trilogie, ich bin nun schon sehr gespannt auf die anderen beiden Teile!

Kurz und knapp
Ein super Buch mit einer unglaublich spannenden Geschichte. 
Toll geschrieben, tolle Hauptprotagonisten und zwischen den Zeilen sogar ein Hauch Gesellschaftskritik.
Wat willste mehr?



Sonntag, 2. Februar 2014

Amokspiel

Sebastian Fitzek

4 von 5 Punkten

Ein Mann dringt in das Aufnahmestudio eines Radiosenders ein und nimmt die dort Anwesenden als Geisel. 
So verbarrikadiert, geht er live auf Sendung und verkündet, dass er das vom Radio regelmäßig durchgeführte Gewinnspiel, den so genannten "Cash-Call", ebenfalls spielen wird. 
Hierbei wird vom Sender irgendeine Telefonnummer angerufen, bei dem sich der Angerufene sofort beim Abheben mit dem Satz "Ich höre 101Punkt5 und jetzt her mit dem Zaster" melden muss. Tut er das, so erhält er eine Menge Geld, meldet er sich nur mit "Hallo" oder seinem Namen, gewinnt er nichts.

Der Geiselnehmer nimmt bei seinem Spielchen allerdings eine kleine aber feine Regeländerung vor: Meldet sich der Angerufene nicht mit "Ich höre 101Punkt5 und jetzt lass eine Geisel frei"....*trommelwirbel* erschießt er eine Geisel *tadaaaa*

Bäm! So beginnt der Roman "Amokspiel" von Baschti Fitzek und man denkt sich nur so "Uiuiuiui - in your face!"
Starker Anfang, das wird gut! Doch bei einem Fitzek führt die Reise meist nie dahin, wo man sie als Leser vermutet. Jeder andere Autor hätte auf diesem Plott aufgebaut, seine 200 Seite dazu runtergeschrieben und gut is. 

Nicht so ein Herr Fitzek!

Denn als die Polizei mit dem Herrn Geiselnehmer in die Verhandlungen geht - selbstverständlich live on air - stellt sich heraus, dass der gute Mann kein Lösegeld fordert. Nein! Er möchte einzig und allein seine Verlobte zu sich gebracht wissen, dann hat der ganze Spuk ein Ende. Ein an sich leicht zu bewerkstelligender Umstand... *trommelwirbel*  wäre die Holde nicht vor 8 Monaten bei einem Autounfall gestorben *tadaaaa*

Wird noch besser!

Irgendwann stellt sich nämlich heraus, dass der böse Geiselnehmer seine Geiseln möglicherweise gar nich wirklich so richtig echt als Geiseln genommen hat....*trommelwirbel* sondern mit denen unter einer Decke steckt *tadaaaa*

Hach ja, sie sind eine wahre Freude, die Fitzek-Romane. Machen absolut Spaß zu lesen, sind super spannend, man weiß nie so richtig, was einen erwartet und toll geschrieben.

Mein persönliches Manko an "Amokspiel" war dann leider das letzte Drittel des Buches, bei dem ich den Eindruck hatte, ich lese das Drehbuch eines Hollywood-Action-Streifens. Die Psychologie und Tiefe des Buches geht leider hintenraus etwas verloren, doch, ich verzeihe das dem Autor gnädigerweise. Gerade nochmal so.


Kurz und knapp
Ein Roman, der sehr, sehr stark anfängt, an Fahrt gewinnt um dann hintenraus nicht konsequent weiter gesponnen wird und dadurch ein bisschen an seiner Stärke verliert.
Dennoch: Dolle Show!






Samstag, 1. Februar 2014

Splitter

Sebastian Fitzek

4 von 5 Punkten

Booaaaahh - dieses Buch ist kein Buch - das ist eine Achterbahn, die einen auf einen Spannungsbogen-am-Flitzebogen-Überspannen-Strapazieren mitnimmt. Alter Schwede! 
Schon lange nicht mehr hat mich ein Buch so sehr unter Hochspannung versetzt wie "Splitter" von Sebastian Fitzek, bei dem ich es nicht aushalten konnte, NICHT weiterzulesen.
Ein (für mich) absolut unvorhersehbares Ende (und gleichzeitig damit auch leider der fehlende Punkt zu Höchstpunktzahl) und eine atemlos lassende voranpreschende Geschichte.

Streeworker Marc Lucas hat seine Frau und sein ungeborenes Kind durch einen selbstverursachten Autounfall verloren. Einen Umstand, den er am liebsten vergessen würde. Er entdeckt eine Anzeige, die ihm genau das verspricht: Eine Klinik sucht für ein Amnesie-Experiment Probanden, die sich traumatische Erinnerungen aus dem Gedächtnis löschen lassen, um wieder ein normales Leben führen zu können.
Marc, zunächst skeptisch, will sich in der Klinik zunächst über das Experiment informieren und nimmt an einigen Tests teil. Doch ab diesem Zeitpunkt ist sein Leben nicht nicht mehr das, was es vorher gewesen ist: Sämtliche Handykontakte sind auf einmal aus seinem Gerät verschwunden, sein Schlüssel passt nicht mehr in das Schloss von seiner Wohnung, seine Kreditkarten sind gesperrt...ist er bereits ohne es zu wollen und zu wissen Teil des Experiments geworden?

Mehr darf nicht verraten werden, wenn man sich den Spaß an diesem Buch nicht nehmen möchte. Die Geschehnisse werden immer abstruser und merkwürdiger, man weiß als Leser irgendwann nicht mehr, was Realität ist und was nicht, welches Spiel mit Marc gespielt wird oder ob er einfach nur langsam oder sicher dem Wahnsinn verfällt.
Dieses Schema zieht sich von Anfang bis zum Ende des Buches durch - bis dann letztendlich die Auflösung der Handlung erfolgt, auf die man (also ich) NIEMALSNEVEREVERGARNICHTNICHT gekommen wäre.
Das ist ja einerseits gut, aber andererseits ist die Auflösung damit letzten Endes so abstrus und weit her geholt, dass es mir persönlich nen Tick zu viel war.

Kurz und knapp
Ich gebs ja zu: Ich bin ein riesen Fan von Sebastian Fitzek. Die Bücher machen einfach Spaß, sind spannend und allesamt toll geschrieben. So auch "Splitter", der mich beim Lesen an den Rande eines Herzinfarkts geführt hat. Ich habe mich ständig gefragt, wo die Geschichte denn um Himmels Willen hinführen soll - und das Ende ist absolut überraschend und unvorhersehbar - aber mir persönlich ein bisschen zu weit her geholt.

Dennoch: Baschti Fitzek - beschde Fitzek!




Mittwoch, 30. Oktober 2013

Evil

Jack Ketchum

2 von 5 Punkten

Ja, dieses Buch und die Dinge, die darin geschildert werden sind böse. Sehr böse sogar. Erschreckend, abstoßend, widerlich und schwer zu ertragen. Gleichzeitig üben sie aber auch eine Faszination aus – eine Faszination, von der der Autor weiß, und die er meiner Ansicht auch nur ausschließlich einsetzt, um den Leser vom Kauf des Buches bis hin zur letzten Seite bei der Stange zu halten. Und genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen „Evil“ und einem guten Horror-Roman: Führt mich der Plott als Leser in die Tiefe oder setzt er allein nur auf meine Lust auf Voyeurismus?

Wir befinden uns in den 50er Jahren in den USA. Idyllisches Kleinstadtambiente, Huckleberry-Finn-Romantik, spielende Kinder am Fluss, in der Nachbarschaft sind auf einmal zwei fremde Mädchen eingezogen, alle Jungs finden sie toll, die neue Ziehmutter der Mädchen findet diese hingegen nicht so toll -  trallallalla Klischee Klischee, kann in einem Roman der im – wie ich finde sehr lustig bezeichneten – „Heyne Hardcore“-Ressort veröffentlicht wurde ja nur ganz böse enden.
Und so ist es dann auch. Von Anfang an ziemlich durchschaubar zieht sich die lieblos erdachte Handlung hin bis zum bitteren Ende, man weiß als Leser im Grunde von Anfang an, wohin die Reise geht – nämlich in den Keller, wo ein Mädchen gefoltert, misshandelt und geschunden wird.

Am Ende des Buches habe ich nach knapp 300 Seiten als Leser das Gefühl, eine Aneinanderreihung perverser Gewaltphantasien gelesen zu haben, ohne jedoch verstanden zu haben, was mir der Autor damit eigentlich mitteilen wollte.
Ja, ich wurde schockiert, ja ich mache mir Gedanken darüber, ja, ich weiß, dass das tatsächlich hinter manchen Mauern passiert, ja, ich weiß, dass die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht, und jahaaa es ist totalschlimmundbähundmirgehtsjetztauchnichtgutundichkonnteauchnichtaufhörenzulesen aaaaaaber:
Was erwarte ich mir von einem guten Buch aus dem Horrorgenre? Ist es die Aufgabe des Autors, die Leser allein mit schrecklichen Tatsachenschilderungen zu schockieren, oder sollte er nicht viel mehr versuchen, seinen Figuren und ihren Taten mehr Tiefe zu verleihen?

Die Handlung hätte wirklich viel mehr Potential gehabt, die der Autor meiner Ansicht nach nicht genutzt hat. Mich hätte interessiert, was die böseböse Ziehmutter (Ersatzmütter und Stiefmütter sind von jeher immer die Sündenböcke. Tja. Schicksal.) erlebt hat, um so zu handeln, was die Kinder aus der Nachbarschaft für Backgrounds haben, einfach um sie mir näher zu bringen, das Innenleben des Erzählers noch besser auszuarbeiten und so weiter und so weiter. Das wirkt bei „Evil“ alles irgendwie ein bisschen halbgar und nicht ernsthaft ausgearbeitet. Und genau diese Tiefe wäre bei diesem Roman für mich wirklich nötig gewesen.
Denn so habe ich böse gesagt den Eindruck, der Autor kratzt ein wenig an der scheinpsychologischen Oberfläche, um dem Leser, der ausschließlich nach den Gewaltbeschreibungen giert, eine Art Entschuldigung dafür zu geben um weiterlesen zu können.


Kurz und knapp
Eine lieblose Aneinanderreihung von perversen Gewaltschilderungen ohne wirklichen Tiefgang.

Von Anfang an durchschaubare aber auch schockierende Story.


Dienstag, 2. April 2013

Erebos


Ursula Poznanski

4 von 5 Punkten

Und wieder ein Jugendroman von der Dame, die auch schon für meinen Sommer-Überraschungs-Hörbuch-Erfolg namens „Saeculum“ sorgte: Erebos!
Erebos ist ein Computerspiel, das an Nicks Schule die Runde macht. Um es noch ein bißchen exklusiver zu machen, ist das Spiel natürlich suuuuper geheim und darf nur in Form einer selbstkopierten und selbstgebrannten CD weitergegeben werden (woher kennen wir das? Woher kennen wir das? Na? Na? Na? Riiichtig: The Ring).
Das Spiel zieht jeden seiner Spieler in den Bann. Wie bei einer Droge kann jeder, der damit angefangen hat, nicht mehr damit aufhören es zu spielen.
Soweit klingt das erst einmal nicht ganz unrealistisch – geht ja vielen bei World of Warcraft ganz ähnlich.
Seiner Beschreibung nach klingt das Spiel  auch WoW sehr ähnlich (ohne zugegebenermaßen jemals World of Warcraft gespielt zu haben, man möge mir also eine fehlerhafte Aussage mangels bekanntlich gefährlichem Halbwissen gnädigerweise verzeihen).
Jetzt kommt das Besondere an Erebos: Um innerhalb des Spiels weiterzukommen, stellt Erebos seinen Spielern Aufgaben. Aufgaben, die in der realen Welt  zu erledigen sind! Huhuuuu – und schon sind wir wieder auf der Seite der unheimlichen Mysterien: „Bringe eine Holzkiste von Punkt X zu Punkt Y und vergrabe sie dort.“ „Fotografiere Person X bei folgender Situation …“.
Am Anfang noch  harmlos werden die Aufgaben immer skurriler und gefährlicher...bis das Spiel befiehlt, zu töten. Das Spiel geht erst dann weiter und auch nur dann, wenn diese Aufgabe erfüllt ist, denn das Spiel weiß genau, ob Du es angelogen hast, oder nicht.

Gut was?

Sehr viel mehr möchte ich gar nicht verraten. Es ist wie gesagt ein Jugendbuch, das muss einem klar sein. Aber auf jeden Fall ist die Geschichte mal wieder super spannend und ein absoluter – Achtung, jetzt kommts (ich bin eigentlich gegen Anglizismen aber hier passt es einfach so schön) – Pageturner!

Kurz und knapp
Ein kurzweiliger und superspannender Jugendbuch-Wälzer, ideal für kalte Spätwintertage oder für den Urlaub.


Montag, 24. Dezember 2012

Unter dem Herzen: Ansichten einer neugeborenen Mutter


 Ildikó von Kürthy

5 von 5 Punkten

Nein, es handelt sich bei „Unter dem Herzen“ NICHT um einen Ratgeber für werdende Mütter.
Es ist ein biographisches Sachbuch der Autorin Ildikó von Kürthy, die über ihr spätes Mutter-Werden schreibt.

Klingt stark nach Frauenbuch, ist es vielleicht auch. Und Frauenbücher bekommen von mir GRUNDSÄTZLICH nicht die volle Rezensions-Punktzahl. Aus Prinzip. Das verbietet mir mein literarisch doch halbwegs anspruchsvoller Geist.

Trotzdem: „Unter dem Herzen“ ist ein so ehrliches, witziges, schönes, teilweise zu Tränen rührendes und supertoll geschriebenes Buch, das mich mitten ins Herz getroffen hat – das verdient nichts anderes als genau diese Bewertung!!

Kurz und knapp
Supertolles Buch von einer supersympathischen Autorin!


Obsession


Simon Beckett

2 von 5 Punkten                    

Als Sarah stirbt bleibt Ben allein mit seinem autistischen Stiefsohn Jacob zurück. Dann macht Ben ein unglaubliche Entdeckung: Jacob ist gar nicht Sarahs leibliches Kind, sie hat ihn damals aus dem Krankenhaus entführt.
Blöde Situation das – Ben versucht die leiblichen Eltern ausfindig zu machen. Dies gelingt ihm auch, nur dummerweise handelt es sich hierbei um einen leicht cholerischen Psychopathen und seiner sich prostituierenden Frau. Blöd, blöd, blöd das alles, denn wie das Leben so spielt, bekommt dieses gute Elternhaus letztendlich auch das Sorgerecht für den autistischen Jacob, da dieser ja offensichtlich besser dort als bei seinem Stiefvater aufgehoben ist.
Ben ist – aus welchen Gründen auch immer – nicht dieser Ansicht, und beginnt, die neuen Eltern zu observieren um Beweisbilder für ihren schlechten Einfluss auf den kleinen Jacob zu schießen. Eine Nebenbeschäftigung, die immer obsessivere Züge annimmt.

„Obsession“ ist einer der früheren Romane von Simon Beckett, das allerdings aber erst nach den Erfolgen „Chemie des Todes“ oder „Leichblässe“ erschienen ist. Die Meinungen zu diesem Roman gehen hier auseinander, die einen sagen, er sei unglaublich langweilig, die anderen finden ihn genial, leiser und psychologisch eindringlicher.
Ich muss sagen, dass mich „Obsession“ mich auch eher nicht überzeugen konnte. Ich fand den Einstieg und die Thematik des Buches sehr gut, nur irgendwann hätte ich mir gewünscht, dass die Handlung etwas mehr an Fahrt gewinnt.

Kurz und knapp
„Obsession“ ist ein früher Beckett, der absolut nicht vergleichbar mit seinen Hunter-Romanen „Die Chemie des Todes“ oder „Leichenblässe“ ist. Im Vergleich dazu wirkt „Obsession“ eher etwas langatmig. Schade.